21.12.25 - Sao Paulo - Großstadt der Gegensätze
Ich wollte
gestern noch bisschen lesen, habe aber nach fünf Minuten kapituliert. Um 9 war
der Kindle aus und ich habe geschlafen. Überragend gut, da habe ich den Jetlag
wohl mal wieder verarscht! Ich bin zwar oft aufgewacht, aber letztendlich auch
bis halb 7 immer wieder eingeschlafen. Das Bett war ziemlich hart, was mir ja
taugt, aber auch ziemlich wacklig. Zum Glück hat der Typ über mir aber bis 4
Uhr früh auf der Couch Netflix gekuckt, somit hat es nicht so lange gewartet.
Da die drei
dann zur Oma fahren wollten, nahmen sie mich ein Stück mit uns setzten mich am
Stadtrand von SP vor einer Metrostation ab. Dort gibt es praktischerweise
einzelne Schranken, an denen man einfach eine Kreditkarte auflegen kann und
kein separates Ticket braucht. Mit einmal Umsteigen fuhr ich bis zum Parque Augusta.
Der ist recht klein, aber ein schöner Ruhepol in der quirligen Großstadt. Und
zeigte mir wieder, warum ich Brasilien so mag. Hier macht jeder, was er will.
Man kann anziehen, was man will, und gern auch halbnackt mitten im Park sitzen
oder liegen. Und das machen ziemlich viele.
Ich hatte ein
gutes Timing, denn um drei begann hier eine Free Walking Tour, ich war eine
Viertelstunde vorher da. Die Tour gab es in Portugiesisch und Englisch, ich
entschied mich (natürlich) für ersteres und war damit die einzige Ausländerin
unter sieben Brasilianern, alle eher aus dem Süden. Ich wurde belohnt mit einem
wunderbar verständlichen Portugiesisch einer sehr netten Paulista, deren Namen
ich leider vergessen habe…
Sie führte uns in den nächsten zweieinhalb Stunden über und neben der Avenida entlang, zeigte und die verbliebenen fünf (oder so) alten Gebäude sowie die vielen neuen Hochhäuser und Bilder von dem, was hier früher war.
Geblieben sind auch noch ein paar Parks mit riesigen alten Bäumen, in denen es gleich viel ruhiger ist. Nicht nur so gesehen ist SP eine Stadt der Gegensätze.
Mit 21 Mio. Einwohnern im Großraum hat es die weltweit größte Dichte an Helikopter-Landeplätzen – entlang der Avenida gibt es einige auf den Dächern. Auf der anderen Seite stehen die etwa 90000 Obdachlosen, die hier quasi überall auf der Straße liegen oder in Grünanlagen campieren. Schon ziemlich krass, aber leider echt Teil des Stadtbildes.
Am berühmten Kunstmuseum, das komplett von vier roten Säulen getragen wird, kamen wir leider nicht direkt vorbei, deshalb nur aus der Ferne.
Gegen halb sechs kamen wir am anderen Ende der Avenida an, wo die Tour endete.
Inzwischen hatte ich doch Hunger auf
etwas richtiges. Ich wurde schnell fündig in der Fressmeile in einem großen
Einkaufszentrum, dort gab es die verschiedensten Selbstbedienungsrestaurants.
Ich entschied mich für ein völlig unbekanntes mit Fisch und Camaroes (Garnelen)
und dort für ein Menü mit kleiner Vorspeise und Pasta mit Sahnesoße und kleinen
Garnelen drin. Für gerade mal 6€ inklusive Getränk war es lecker und ich wurde satt.
Danach lief ich
Richtung Metro, hatte allerdings ein etwas schlechtes Timing, denn wenige
hundert Meter vorm Ziel begann es von jetzt auf gleich wie Sau zu regnen. Ich
war sehr froh, dass ich mich für die Flipflops entschieden hatte, somit sind
meine Turnschuhe für die Weiterfahrt später schön trocken. Ich kam rennend und
leicht durchnässt in der Metro an, der Rock trocknet zum Glück aber auch
superschnell (mit dem bin ich auf Studienfahrt in Barcelona auch im strömenden
Regen zur Metro gerannt… Gibt es da einen Zusammenhang?!?
Oh – gerade muss
irgendwo ein Tor gefallen sein, von allen Seiten schreit es und irgendwo geht
ein Feuerwerk hoch…
Nach etwas
Suchen und Nachfragen fand ich auch hier den Zugang mit der Kreditkarte und
fuhr ein gutes Stück in Richtung Hostel. Das letzte Stück nahm ich dann aber
ein Uber, ich hatte keine Lust mehr, 20 Minuten zu laufen und es wurde auch
langsam finster. Um 7 war ich zurück. Ich sprang schnell in die Dusche – hier herrscht
momentan Wassermangel und man soll sowieso sparen – und packte meine Sachen.
Oh, nun kracht
es auch von der anderen Seite und das Geschrei wird immer lauter. Vielleicht
Spielende??? Ah, bin nun schlauer, es war die Rückrunde des Finales vom Copa do
Brasil, Corinthians aus Sao Paulo hat gerade in Rio gewonnen, hier rastet man
aus 😉
Ok, weiter im Text. Inzwischen ist es acht und ich sitze sauber auf der Hostel-Couch und schreibe Blog. Langsam werde ich auch müde. Ein bisschen muss ich noch durchhalten, aber nicht mehr lange. Dann fahre ich zum riesigen Busbahnhof, nicht weit entfernt. Um zehn geht dann mein Nachtbus nach Sao Joao del Rei, wo ich morgen früh hoffentlich etwas erholt ankomme. Und falls nicht, das nächste Hostel hat einen Pool…











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