22.12.25 - Sao Joao del Rei - schönes Städtchen in Minas Gerais

Gestern ging es dann um 9 zum Busbahnhof. Der ist einfach nur gigantisch. Aber es gibt nirgends eine übersichtliche Anzeige, wo welcher Bus abfährt. Es dauerte etwas, bis ich die passende Nummer auf meinem Online-Ticket entdeckte und noch etwas, bis ich auch diesen Bussteig (heißt das so) fand. Doch ich hätte mir Zeit lassen können. Auch wenn alle 15 Minuten ein neuer Bus angeschrieben wurde, hieß das nicht, dass der vorherige Bus auch schon abgefahren war. Das Chaos war doch ziemlich groß. An einem Steig stand dann Sao Joao – mein Ziel – an dem daneben Barbacena – die angebliche Endhaltestelle meines Busses. Dann waren beide wieder weg, aber kein Bus war in Sicht. Das machte mich durchaus etwas nervös, v.a. als plötzlich Gepäck für Barbacena abgegeben werden sollte. Ich fragte nach und ja, auch mein Gepäck war hier richtig, juhu.

Es dauerte und dauerte und kurz vor 11 kam dann endlich der Bus – inzwischen standen die beiden Ziele auch schon noch einmal angeschrieben, um 22.30 sollte der nächste Bus dorthin fahren. Ich war zugegeben etwas enttäuscht. Ich hatte „Leito“ gebucht und kannte das von meinem Lieblingsbus Catarinhense als fast zum Bett verwandelbaren Sitz. Das hier war zwar der dicke fette Sessel mit nur drei pro Reihe, aber die Beine hingen trotzdem bergab und der Sitz ging auch keine 45° nach hinten. Naja, hilft alles weinen nix. Ich wickelte mich in meinen Schlafsack, der auch echt nicht verkehrt war. Von Temperatur hatte der Bus nämlich auch keine Ahnung. Die Außentemperatur laut Anzeige schwankte zwischen 14 und -130°! Innen war es ähnlich schwankend, eisige Winde, die selbst unterm Schlafsack kühl waren, dann wieder war es warm. Ich schlief ein bisschen, aber nicht allzu gut. Unsere Verspätung wuchs dann auch noch etwas, was mir aber nicht unrecht war. So kamen wir nicht um dreiviertel 7 früh, sondern erst zwei Stunden später in Sao Joao del Rei an. 

Uber gibt es in dieser Stadt mit 80000 Einwohnern nicht, also musste ein Taxi her. Der ältere Fahrer traute Google Maps und mir wohl nicht so recht und fragte einen deutlich jüngeren Kollegen nach meinem Fahrziel, bevor wir starteten. Immerhin konnte ich auch bei ihm mit Karte zahlen, wenn auch erst beim 5. Versuch (mit 2x echter und 2x digitaler Karte…).

Kurz nach 9 kam ich in meinem Jackpot-Hostel Del Mundo (spanische Schreibweise?) an und wurde gleich sehr nett begrüßt. Ich konnte das Bad benutzen und mich stadtfein machen, dann stellte sich raus, dass ich sogar schon einchecken und mein Bett in einem 6er-Dorm beziehen konnte. Noch besser. Außerdem sollte ich mich doch auch am Frühstück bedienen und nahm mir einen Kaffee und ein Pao do Queijo.

Um 10 startete ich dann zu meiner kleinen Sightseeing-Tour durch das historische Zentrum. Und fühlte mich gleich an diverse Städtchen in den Anden und – wie meine Mum feststellte – auf Kuba erinnert. Wobei der Vergleich mit den Anden geschichtlich wohl noch besser passt. Kuba und das nördliche Brasilien waren für Zuckerrohr für die Spanier bzw. Portugiesen zuständig. Die Anden und Minas Gerais lieferten mit Gold und Silber die nötige Kohle. Daher auch der Name des Bundesstaates hier. Der Ort liegt auch auf gut 800m und ist recht bergig.

Es ging durch kleine uralte Gassen mit schiefem Kopfsteinpflaster und ich war gleich wieder verliebt. Echt einfach nur putzig.

Eine alte Kirche reiht sich fast an die nächste und da wir in Brasilien sind, kann man hier vermutlich zur Not auch im Bikini rein.

Am besten gefiel mir die auf einem Hügel, die auch offen war und eine tolle Aussicht auf den Ort bot.

Das Wetter war sehr angenehm, leicht bewölkt mit etwa 27°, genau richtig zum Rumlaufen.


Schließlich fand auch meine Jagd nach Bargeld ein glückliches Ende. Am Flughafen ging ja schon mal nix, Banco do Brasil hat sich gestern auch geweigert (das kenne ich seit 2010, aber gestern hat niemand was bekommen, wie es schien). Heute suchte ich gezielt nach Bradesco, die damals die wahrscheinlich einzigen waren, bei denen DKB funktionierte. Doch nicht mal diese Kombination lieferte heute Scheine, dann aber die Barclays, die brav umgerechnet 100€ ausspuckte. Das sollte problemlos reichen, da man hier außer in Stadtbussen gefühlt überall mit Karte zahlen kann. Aber wenn‘s mal wieder eng wird wie beim Taxi, sind ein paar echte Reais auch nicht verkehrt. Brasilianer zahlen übrigens direkt per App namens Pix. Hab ich mal gegoogelt, funktioniert nur mit einem Bankkonto, da die App per QR-Code einfach direkt das Geld auf das entsprechende Konto überweist. Einfacher als Paypal, aber leider nicht für Touris nutzbar.


Als nächstes war ich auf der Suche nach einem Cappu. Das ist hier das einzige Manko, sollte ich jemals auswandern, muss ich mir wohl eine gute Siebträgermaschine zulegen… Ich fand ein supersüßes Café, der Cappu war aber mehr brasilianisch als italienisch. Vielleicht steige ich auch einfach auf brasilianischen starken Kaffee mit Milch um… Dazu gab es eine leckere frittierte Käsestange aus einem lokalen Käse. So langsam verstehe ich auch, was Clarissa meinte, dass die Mineiros hier einen ganz speziellen Slang haben. Sie sind schwer zu verstehen und mich verstehen sie auch oft nicht...

Dann schlenderte ich noch etwas weiter und kam bald darauf zum Açaí des Tages. Wieder günstig, groß und lecker! Sollte man mich jemals vor die Entscheidung stellen, lebenslänglich auf Açaí oder Kaffee zu verzichten, ich glaube ohne Kaffee ginge es auch irgendwie…


Inzwischen war es halb 2 und ich trotz Koffein etwas müde. Ich hatte alle Gassen gesehen und ging zurück zum Hostel.

Das hat ja schließlich einen Pool und sogar Sonnenschirme und ein paar Liegen. Dort richtete ich mir für die nächsten Stunden ein, las und döste etwas und genoss die warme Sonne. Weihnachtsmarkt und Winterjacke kann ich mir gerade nicht wirklich vorstellen. Gestern übrigens ganz vergessen, Clarissa und ihr Mann waren schwer begeistert von meinen mitgebrachten Plätzchen…

Gegen halb 5 überkam mich der Hunger. Ich hatte ein wenig nach vegetarischen Optionen gegoogelt (traue niemals dem Schild an der Straße, das vegetarische und vegane Küche anpreist) und ein Restaurant gefunden, das mir heute schon optisch ins Auge gesprungen ist. Es war eine gute Wahl. Ich bekam einen kleinen Bartisch quasi direkt im Fenster mit Blick auf eine der Kirchen. Dann gab es frischen Maracujasaft (frische Säfte überall, ein weiteres Plus für Brasilien) und einen Veggie-Burger mit Falafelpattie, Pesto, Gemüse und leckerem Käse, dazu hausgemachte Pommes und Dip. Sehr lecker und danach war ich pappsatt. Mit knapp 20€ nicht ganz günstig, aber für das Komplettpaket durchaus gerechtfertigt.

Gegen sechs war ich zurück im Hostel, ging erstmal duschen und eine Schicht Apres-Sun auftragen. Da waren doch ein paar rötliche Streifen, allerdings der Form nach nicht vom Pool, sondern vom Vormittag… Ich gönnte mir eine kurze Siesta auf dem Bett ohne wirklich einzuschlafen, bevor ich mich mit Moskitomittel einschmierte. Haben mich beim Frühstück und beim Abendessen doch so ein paar klitzekleine Drecksviecher in die Füße gestochen!

Jetzt ist es kurz vor acht und ich sitze am Pool. Es hat noch gut 20° und ist in Shirt und Flipflops gut auszuhalten. Wenn der Blog fertig ist, werde ich noch ein paar Kleinigkeiten für die nächsten Tage auschecken, für die letzten Nächte in SP muss ich auch noch ein Hostel buchen, wusste nur lange nicht, wo das am sinnvollsten ist.

Morgen mache ich einen Ausflug nach Tiradentes, nicht weit entfernt, was als das schönste Örtchen in ganz Minas Gerais gilt.  


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