26.12.25 - Ab ans Meer auf die Ilha Grande

Gestern Abend bin ich dann gegen halb 9 zum Busbahnhof hochgelaufen. War nochmal ganz schön steil Ich musste gar nicht lange warten, unser Bus war relativ früh schon da. Und tatsächlich fuhr er sogar schon vor halb 10 los! Noch war er ziemlich leer, so dass ich für die erste fast Hälfte der Fahrt zwei Sitze für mich hatte. Somit konnte ich quer liegen. Diesmal hatte ich nur Semi-Cama gebucht. Was gut war, denn bei den anderen ist die Abtrennung zwischen den beiden Sitzen fest und lässt sich nicht hochklappen, somit hätte ich nichts von zwei Sitzen gehabt.

Nach und nach füllte sich der Bus aber und schließlich musste ich mich mit einem Sitz begnügen. Wobei ich schwören könnte, trotz gleicher Agentur und schlechterer Preisklasse konnte ich meinen Sitz hier weiter zurücklegen als das letzte Mal. Wir sollten um 20 vor 6 in Rio ankommen, waren aber tatsächlich schon kurz nach 5 dort. Überragend! Somit hatte ich reichlich Zeit vor meinem nächsten Bus, der um 7 Uhr fahren sollte.

Allerdings halten Brasilianer wirklich nichts von gutem Espresso, zumindest nicht von gutem Cappuccino. Es gab keinerlei Kaffeeketten im Busbahnhof, gefühlt weltweit unvorstellbar! Ich entdeckte einen Kiosk mit Barista-Maschine und versuchte dort mein Glück. Leider ohne Erfolg. Ich bestelle einen Cappuccino und musste dabei zusehen, wie mein guter To-go-Becher mit Cappuccinopulver befüllt wurde, dann wurde Milch dazu gegossen und diese in der Barista-Maschine aufgeschäumt. Überragend, ekelhaft! Das war leider gar nichts und nur für die Tonne.

Dann entdeckte ich noch ein Kaffeegeschäft, das war allerdings noch geschlossen. Ich setzte mich an einen Tisch zu einem sehr gesprächigen jüngeren Brasilianer aus Minas Gerais. Aufgrund des Dialekts verstand ich nur ungefähr die Hälfte dessen, was er mir erzählte. Um 6 machte dann der Laden auf. Und ich ging die Sache anders an. Ich bestellte eine Espresso mit Milch. Erfolgreich. Die Plörre war ordentlich stark und auch gut. Wobei die Sache mit dem Mehrwegbecher hier offensichtlich niemand versteht. Ich bekam den Kaffee in eine Pappbecher und durfte ihn in meinem Becher umschütten. Zweck nicht erfüllt…

Wach lief ich zu meinem Bussteig für den nächsten Bus. Nach etwas Suchen fand ich ihn und der Bus stand auch schon bereit. Es dauerte ein bisschen, bis alles verladen war und um 7.20 Uhr war es dann endlich soweit und wir starteten. Der Bus war ein Kühlschrank auf Rädern. Ich fand es echt erstaunlich, wie alle um mich rum das in Flipflops, Top und kurzen Hosen aushielten. Ich war mit Turnschuhen, langer Hose und Pulli mit Kapuze ausstaffiert und überlegte ernsthaft, den Schlafsack auszupacken. Aber ich hielt durch.

Die Fahrzeit zog sich ziemlich hin. Zwischendurch machten wir eine Viertelstunde Pause, danach wurde der Verkehr ganz schön zähfließend. Offensichtlich wollten einige übers Wochenende oder über Silvester an die Küste. Eigentlich sollten wir um 20 nach 10 Uhr ankommen, es war aber zehn nach elf, bis wir das tatsächlich geschafft hatten. Ich hatte aber keinen Stress deswegen. Am Busbahnhof in Angras dos Reis  angekommen schnappte ich mir meinen Rucksack und lief gute 20 Minuten in sengender Hitze in die Innenstadt.

Und direkt zum nächsten Açaíladen, einem Selbstbedienungsladen, in dem ich mich mit Açaí-Zero vollfutterte. Geschmacklich, genauso gut, aber zuckerfrei. 

Dann lief ich einen Blog weiter zur Küste, wo mein Boot zu Ilha Grande starten sollte. Nach kurzer Suche hatte ich den Abfahrtsort gefunden und reite mich in der Schlange ein. Mein Timing war wirklich gut heute, alles klappte ganz stressfrei. 

Das Boot war ein großes Speedboat und ziemlich gut gefüllt. Wir legten pünktlich ab und näherten uns mit großem Tempo der Insel. Ich hatte keine Ahnung, wie lange die Überfahrt dauern würde, aber tatsächlich legten wir die vielleicht 20 km in einer guten halben Stunde zurück. Dann waren wir am Ziel am Praia Araçatiba im Westen der Insel.

Ilha Grande ist eine autofreie Insel, allerdings keine menschenfreie. Mein Strand jedoch ist relativ überschaubar, eine größere Stadt gibt es nur am anderen Ende der Insel. Weil dorthin aber keine Straßen oder Wege führen, sind wir hier ziemlich ab vom Schuss. Nur eine ganze Reihe an Pousadas, Restaurants, wenige Lädchen und sonst eigentlich nichts.


Am Pier angekommen schnappte ich mir meinen Rucksack und lief ca. 500 m den Strand entlang über brennend heißen Sand zu meiner Pousada Maravilha de Ara. Naja, so viel Wunder ist das hier nicht, eher schon ein bisschen versifft und im Obergeschoss Baustelle, aber mit gut 30 € pro Nacht im Einzelzimmer mit drei Betten eine der günstigsten Unterkünfte, die man hier bekommen kann. Ein kleines Zimmerchen, sauber, etwas muffig, aber völlig ausreichend, denn drinnen ist man hier ja eh kaum. Dazu ein klitzekleiner Balkon und eine Gemeinschaftsküche, mehr brauche ich nicht.

Ich stellte meine Sachen ab packte ein bisschen aus und machte mich strandfertig. Inzwischen war es 2 Uhr. Andere würden sich jetzt auf drei Tage Strand freuen, ich überlegte allerdings eher, was ich machen könnte, damit mir in der nächsten drei Tagen nicht langweilig wird😂

Irgendwie werde ich die Zeit aber schon rumbekommen. Jetzt ging ich erstmal an den Strand. Der war ziemlich leer, was auch daran liegen könnte, dass es nirgendwo Schatten gibt. Nach etwas Suchen fand ich zwischen einer Hauswand und einer Palme ein kleines Fleckchen mit Schatten, wo ich mich ausbreitete.

Ich sprang erstmal ins Wasser, das angenehm erfrischend war. Es geht gleich ziemlich steil hinein, keine knallheiße Badewanne, wie sonst manchmal. Die nächsten Stunden verbrachte ich zwischen Wasser und Strandtuch. Wie ich das drei Tage aushalten will, weiß ich allerdings noch nicht.

Gegen 5 wechselte ich in die benachbarte Bar, wo es für stolze 2,50 € eine Dose Bier gab. Aber eigentlich ganz schönen Ort mit gechillter 80er Musik. Dann liefe ich die wenigen Meter zu meiner Unterkunft und sprang unter die Dusche. Sauber, aber schon wieder schwitzend machte ich mich auf Futtersuche. 

Essen ist ganz schön teuer hier, unter 15-20€ gibt's quasi nichts. Wobei ich wieder daran erinnert wurde, dass Restaurants in Brasilien oft nur Gerichte für zwei Personen anbieten.

Eine Bar, die ich entdeckt hatte, stellte sich leider als Niete heraus, denn sie bietet nur bis 16 Uhr Essen an. Vielleicht gehe ich dort morgen hin. Dann entdeckte ich ein Schild für eine Pizzeria, 100 Stufen oberhalb des Strandes. Für den Ausblick von dort ist auch der Preis gerechtfertigt. Und es gab Caipirinha in der Happy Hour, zwei für gut 3€...

azu, eine sehr große Pizza Quattro Formaggi, insgesamt zahlte ich dann auch nur 20€ und es blieb einiges für morgen übrig.

Gut gestärkt ging es dann wieder zurück zu meiner Pousada. Dort machte ich einen ganz kurzen Powernap. Dann wurde der Blog eingesprochen, da ich total müde und zu faul zum Tippen bin. Das muss ich jetzt mal Korrektur lesen, mein Handy schreibt schon spannende Sachen, die ich nicht so gesagt habe. Mal sehen, ob ich überhaupt alles wieder erkenne (Äh, nein!) Dann geht es wahrscheinlich relativ früh ins Bett, so viel habe ich heute Nacht dann doch nicht geschlafen. Morgen erkunde ich die Unterwasserwelt, keine Ahnung, was die hier zu bieten hat, ich lasse mich überraschen.

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