30.12.25 - Zurück nach Rio, wo vor 15 Jahren irgendwie alles begann...
Die Nacht in Angra war echt nicht
die beste. Angeblich sollte die AC nur bis 10 etwas runterkühlen und dann
ausgeschaltet werden. War nur nicht so, ich hatte nach kürzester Zeit ein
trockenes Kratzen im Hals, obwohl sie gar nicht sehr kalt eingestellt war. Aber
wohl leider auf „Dry“… Dann begann es auch noch irgendwo laut zu schnarchen,
durch die Ohrenstöpfel. Auch die Straße direkt neben mir war nicht gerade leise
und ich hatte bei jedem größeren Gefährt das Gefühl, dass das Bett vibriert. Als
es 12 war und ich immer noch keine Chance auf Schlaf sah, schnappte ich mir
meine Sachen und wechselte auf die halbwegs bequeme Couch im Wohnzimmer. Dort war
es extrem warm, dafür aber auch absolut ruhig und irgendwie schaffte ich es
hier, einzuschlafen. Gegen sechs wechselte ich aber wieder ins Bett. Ab 7
begann dann das lautstarke Rumoren samt Türenknallen, manche Leute wissen
einfach nicht, wie man sich in einem Dorm verhält… Bis 8 versteckte ich mich
hinter meiner Schlafmaske, dann kapitulierte ich.
Ich zog mich an, packte meine
Sachen und machte mich auf nach draußen ins Warme. Ich lief erstmal eine Runde
um den Block, dann steuerte ich ein kleines Café an, das ich gestern schon
gesehen hatte. Dort gab es echten (und auch brasilianischen) Cappuccino. Der aus
der Dose schimpft sich also brasilianisch, igitt! Ich nahm also einen echten
und dann noch einen, dazu ein leckeres warmes Croissant mit leckerer
Käsefüllung. Danach fühlte ich mich deutlich wacher. Gegen 10 ging es dann die
Rucksäcke holen und zum Busbahnhof. Dieses Mal nahm ich einen Bus dorthin, das
war wesentlich entspannter.
Am Busbahnhof musste ich noch
etwas warten, mein Bus fuhr erst um 11 bzw. wieder etwas verspätet los. Er war
auch ähnlich eisig wie der herwärts, aber nur halb voll, so dass ich zwei Sitze
mein Eigen nennen konnte. Bei einer Pause gab es Pao do Queijo. Statt um zwei
waren wir um zehn vor drei in Rio.
Ich lief direkt zur
Straßenbahnhaltestelle gegenüber, hier (heute früh auch) kann man im Gegensatz
zu SP völlig problemlos überall direkt mit Kreditkarte zahlen. Es ging ein paar
Stationen Richtung Zentrum und irgendwie kam mir manch eine Straße dort auch
echt bekannt vor. Mein Ziel war aber eine Metrostation, denn ich brauchte noch
mein Metroticket für die morgige Nacht. Da gibt es spezielle Zeitslots für die
Hinfahrt zur Copacabana vor Mitternacht, danach kann man dann frei
zurückfahren. Der Kauf gestaltete sich aber mehr als schwierig. Die App und
auch die Website funktionierten die letzten Tage schon nicht, scheinbar ein altbekanntes
Problem kurz vor Silvester. Egal, welche Emailadresse ich verwenden wollte, es
hieß immer, die sei schon registriert. Wenn ich aber „Passwort vergessen“
wählte, hieß es, die Adresse gäbe es nicht. Laut ChatGPT, Google und Hostel
kann man das Ticket aber in der Metro kaufen. Von wegen. Am Schalter verwies man
mich recht unfreundlich auf den QR-Code zur App. Auch der Typ an den
Ticketautomaten hatte noch nie was davon gehört, dass man die Tickets offline
kaufen könnte… Ein netter Typ sprach mich an, ob er mir helfen könne. Ich
schilderte ihm mein Problem, er meinte, kein Problem, er könnte mir das Ticket in
der App kaufen und mir per Whatsapp schicken. Sehr cool. Er hatte die App noch
nicht mal selbst, musste sie also auch erst runterladen und installieren bei
ihm mit brasilianischen Daten klappte das dann auch tatsächlich. Er kaufte mir
meinen Zeitslot zwischen 7 und 8 Uhr und schickte ihn mir per Whatsapp. Zum
Dank wollte ich ihm 20 statt 15 Reais in die Hand drücken, aber: Er wollte
keinen Cent von mir! Was für ein netter Kerl, ohne jeglichen Eigennutz
spendierte er mir mal eben das Ticket für etwa 2,50€. Einer wildfremden Person!
Echt der Hammer!
Nun konnte ich mich endlich Richtung
Hostel bewegen. Das liegt in Santa Teresa, einem alten, schönen Viertel auf
einem der unzähligen Hügel ganz oben. Schlechte Verkehrsanbindung, traumhafte
Aussicht. Ich nahm mir ein Uber und kurze Zeit später stand ich vor meinem
Hostel und mir klappte die Kinnlade runter. Da hab ich mir echt einen kleinen
Palast gemietet!
So eine tolle Location für ein
Hostel findet man unglaublich selten! Ich checkte ein, mir wurde alles gezeigt
und ich konnte mein Zimmer beziehen. Bleibt nur zu hoffen, dass die AC hier aus
oder zumindest leicht eingestellt bleibt, ich bin mal wieder genau in ihrer
Pusterichtung. Dabei hatte ich mir extra ein Bett fernab der AC gewünscht…
Naja, mal sehen, mit was ich sie blockieren kann… Ansonsten ist das Hostel Casa
das Luzes echt ein Traum!
Ich zog mich um und kurz vor 5
war ich wieder auf dem Weg ins Herzen von Santa Teresa. Dorthin, wo vor 15
Jahren eigentlich alles begann. Nach drei Wochen Brasilien mit Steffi damals
trennten sich unsere Wege dort irgendwo in einem Hostel, das dem jetzigen ganz
ähnlich ist, wenn es auch nicht ganz so luxuriös war. Steffi flog heim und ich
war das erste Mal ganz alleine mit meinem damals noch sehr farblosen großen
Freund unterwegs. Völlig ahnungslos und unerfahren, etwas ängstlich und doch
bereit für neue Abenteuer. Ich kannte noch nicht einmal Açaí! Und absolut keine Ahnung, dass ich 15 Jahre später immer noch absolut nicht genug vom Solo-Backpacking habe. Im Gegenteil! Und doch, meine Liebe zu Brasilien hat sich seither nicht verändert. Mal sehen, ob in der 2. Hälfte der Länder dieser Welt noch eines zu finden ist, das Brasilien toppen kann!
Bisschen sentimental wurde ich
hier schon, einige Ecken erkannte ich wieder, nicht nur die alte Trambahn Bonde,
aber wo das Hostel damals war, weiß ich nicht mehr. Evtl. habe ich es gefunden, das auf dem Bild kommt mir irgendwie bekannt vor. Rosa war es und so einen Zaun hatte es auch, aber ich kann mich auch komplett täuschen...
Ich – als jetzt deutlich schlauerer
Backpacker – gönnte mir erstmal einen Açaí mit Aussicht.
Danach schlenderte ich wieder ein
bisschen nach oben und suchte mir ein wunderschönes Restaurant, das a) Gerichte
für eine Person und b) Gerichte ohne Fleisch anbietet. Ich bestellte mir ein
superleckeres zitroniges Risotto mit Garnelen und einen Caipi dazu.
Gegen 7 lief ich dann wieder zurück zum Hostel und kaufte unterwegs noch was zum Frühstück morgen ein.
Das
gibt es hier zwar auch, aber ich muss morgen dummerweise schon sehr früh raus,
da ich einen Tipp meiner Cousine Eva befolgen muss und das zeitlich wenn überhaupt
nur morgen funktioniert. Naja, dann muss ich halt am Nachmittag noch etwas am
Pool vorschlafen… Jetzt ist es inzwischen 8 Uhr durch und ich sitze am Pool und schreibe den Blog mit traumhafter Aussicht.
So, das war damit vermutlich der
letzte Blog 2025. Für morgen schreibe ich eher erst nächstes Jahr oder ihr
werdet es erst nächstes Jahr lesen. Deshalb wünsche ich euch allen einen
wunderschönen guten Rutsch, könnt ja dann mal im Fernsehen kucken, ob ihr mich
zwischen den 2,5 Millionen anderen sehen werdet! Bis nächstes Jahr, Feliz Ano
Novo!!!















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