04.01.26 - Die letzten Stunden Brasilien
Heute Nacht hab ich echt gut
geschlafen. Die Engländer samt der Kettensäge kamen anscheinend erst sehr spät,
dafür aber komplett leise. Und die Kettensäge hat auch erst sehr spät
losgelegt, als ich eh schon fast wach war. Aber unglaublich, wie man schnarchen
kann! Ich stand um dreiviertel 9 auf, packte meine Sachen zusammen und stellte
die Rucksäcke an der Rezeption ab. Dann gings zunächst zum Café von gestern,
heute gab es libanesischen Obstsalat, auch wieder super lecker. Und dazu
Cappuccino. Dann lief ich in Richtung Avenida Paulista, die ja sonntags für
Autos gesperrt ist. Irgendwie war es ganz schön grau und sogar leicht nieselig
und hatte auch nur 22°. Langsame Wiedereingewöhnung an den deutschen Winter?!?
An dem cool aussehenden Museum sind wir da ja auch gar nicht wirklich vorbeigekommen, weil wir die Straße ständig gekreuzt haben. Das steht halt tatsächlich nur auf diesen vier Säulen an den Ecken und schwebt ansonsten in der Luft.
Dann musste ich nochmal Schuhe shoppen, es kamen die ersten „Beschwerden“ von zu Hause. Somit gab es noch ein paar für den ältesten und den jüngsten Herren meiner Familie. Die kleinen Havaianas mit der Sicherung hinten zum leichteren Laufen sind einfach zu süß!
Um halb 1 ging es mit einem Uber
zurück zum Hostel. Dort packte ich alles ein, inzwischen sieht mein Rucksack
aus wie der eines Flipflop-Dealers. Dann bestellte ich mir ein Uber zum
Flughafen. Man merkt, dass Sonntag ist und nicht viel los, beide Male musste
ich kaum warten und die Preise waren recht günstig.
Um halb 2 war ich am Flughafen
und musste auch nicht allzu lang beim Gepäck anstehen. Der kleine durfte wieder
zum Sperrgepäck (wobei hier immerhin auch „zerbrechlich“ als Alternative am
Schalter steht, also passt gut auf ihn auf). Security-Check ging ebenfalls
schnell, die längste Schlange war dann an der Passkontrolle. Die Trulla war
etwas unmotiviert und fragte allen Ernstes, ob ich keinen Stempel im Pass
hätte… Dann stempelte sie irgendwo ganz vorne, wo eigentlich ganz was anderes
reingehört. Ich hab den Pass dann einmal aufgeschlagen und hatte auf Anhieb die
Seite mit brasilianischem Stempel. Muss man halt die Augen aufmachen!
Im Inneren erinnerte ich mich
dann an die letzten 51 Reais in meiner Hosentasche. Die haben irgendwie den
Security-Check dort überlebt ohne zu piepsen! Also ging es noch in ein Café, wo
ich das restliche Geld gut anlegte. Nun besitze ich noch 11,20 Reais. Könnte
für die nächste Reise ausreichend sein 😉
Und die wird kommen, wann auch immer. Es ist echt komisch. Bei jeder anderen Reise bin ich am Ende auch traurig, wenn sie vorbei ist, aber ich weiß, die nächste wird kommen. Hier in Brasilien ist das anders, es fühlt sich an, als würde ein Teil von mir hierbleiben und der Rest könnte sich nur schwer lösen. Keine Ahnung, was das ist, ich hab das echt nur in Brasilien! Vielleicht hat sich bei meiner ersten Reise hier ein Horkrux von mir abgespalten und liegt gut versteckt in den Tiefen des Regenwaldes...
Das Bording startete pünktlich,
ich hatte – wie es schien – Pech bei der Platzwahl und hatte einen Mittelplatz.
Neben mir am Fenster saß ein türkisches Insta-Püppchen mit falschen Wimpern und
genauso falschen Lippen und im Versuch, das perfekte Bild zu machen, wie sie
aus dem Fenster kuckt. Sie hat schon vor dem Start die ganze Zeit irgendetwas
wichtiges mit dem Steward zu klären gehabt. Kaum waren wir abgehoben, kam die
Durchsage, das nun das Wifi nutzbar wäre. Panik brach aus, sie schaffte es
nicht und der nette Rumäne auf meiner anderen Seite musste dabei helfen, einen
Nervenzusammenbruch zu verhindern. Er konnte ihr Handy verbinden. Die Nachricht
aber, dass vermutlich nur Whatsapp funktionieren würde und sonst nicht viel,
sorgte dafür, dass die untere Hälfte der Uboot-Lippen zu zittern begann. Ich
konnte mir einen Kommentar nicht verkneifen, wie schön es doch sei, einfach mal
12h nicht mit der Welt verbunden zu sein. Die Tussi sah aus, als würde sie in
der nächsten Sekunde losheulen. Sehr unterhaltsam! Dann aber kam der Jackpot.
Offensichtlich hatte sie nach einem anderen Platz gefragt. Vielleicht weil wir
auf die Tragfläche blickten und das nicht instagramable ist… Egal, jedenfalls
kam der Steward und nahm sie mit. Der Rumäne und ich grinsten uns an, gaben uns
Highfive und feierten unseren gewonnenen Platz. Ab sofort hatte ich also
Fensterplatz 😂
Der restliche Flug verging sehr entspannt und tatsächlich „wie im Fluge“ (ein Ausdruck, der meiner Meinung nach ja genau falschrum verwendet wird, normal schleicht die Zeit im Flieger doch elendig! Es gab Abendessen, dann packte ich Ohrenstöpsel und Schlafmaske aus und verabschiedete mich von der Welt.









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