REVEILLON 2026 an der Copacabana

Um 6 Uhr gestern Abend war ich dann startklar. Eigentlich wollte ich mit dem Bus zur Metro fahren, aber irgendwie kamen nur Busse in der Gegenrichtung. Somit wurde es halt doch wieder ein Uber. Um dreiviertel 7 war ich an der Metrostation, musste aber noch eine Viertelstunde warten, da mein Ticket ja erst ab 7 galt. Aber es war schon ganz witzig, die meisten Leute in der Metro hatten ganz klar das gleiche Ziel wie ich, fast alle waren weiß gekleidet.

Vor 7 sah man noch einige Leute rennen, die kein Zeitticket gekauft hatten und die also vorher noch schnell durch mussten. Nachdem sich die Schranke bereit erklärt hatte, auf meinen QR-Code zu lesen, nicht ganz einfach, ging es nach unten zur Metro. Eigentlich dachte ich, dass die jetzt gerammelt voll sein müssten, aber dem war nicht so. Die sind echt gut organisiert hier, alle zwei Minuten kommt ein Zug, somit war es zwar nicht leer, aber auch nicht gestopft voll. Ich fuhr bis zur ersten Station an der Copacabana. Dort schoben sich dann ganze Menschenmassen nach draußen, es kam immer wieder die Durchsage, man sollte ja nicht stehen bleiben. Das hätte auch einen ordentlichen Rückstau gegeben, v.a. wenn die nächste Metro nachschiebt.

Aus der Metro draußen wurde es noch voller. Ein unglaubliches Geschiebe. Die Straßen waren voll mit Feiernden und mit Verkäufern von Getränken, Essen, Dekoartikeln und so weiter und so fort. Ich schob mich bis zur Straße direkt am Strand durch, Ziel war das Copacabana Palace. Vor dem hat sich die Couchsurfing-Gruppe mit inzwischen fast 200 Teilnehmern verabredet. Da ich einen der Organisatoren schon an der Metrostation getroffen hatte, konnte ich in den Menschenmassen zumindest recht schnell die richtigen Leute ausmachen.

Dann wurde es eigentlich ganz witzig, man begrüßte Wildfremde aus aller Welt, die irgendwie alle das gleiche wollten oder auch nicht. Ich kaufte mir gleich mal einen Caipirinha von einem der Straßenhändler, dann standen wir etwa bis halb 9 vor dem Hotel, bevor wir uns Richtung Strand selbst aufmachen.

In der Nähe einer der Hauptbühnen wurde ein Plätzchen gesucht, was an einem Strand mit zweieinhalb Millionen Menschen und mit einer Gruppe von 200 Leuten nicht gerade einfach ist.

Man musste immer aufpassen auf niemanden drauf zu treten oder selbst von irgendwem übersehen zu werden. Dort angekommen standen wir und harrten der Dinge, die da kommen würden.

Ich hatte eine andere Deutsche getroffen, eigentlich die erste überhaupt, seit ich hier bin. Wir verstanden uns gleich auf Anhieb gut, sie ist ein ähnliches Baujahr wie ich und wir waren uns einig, hier ist es definitiv zu laut und zu voll. Von der Musik selbst waren wir eigentlich auch ein bisschen enttäuscht, es sang ein recht alter Sänger und die Musik klang mehr nach Rausschmeißer und nicht nach Samba oder etwas Tanzbarem. Nachdem Steffi dann aufs Klo musste, machten wir uns auf den Weg zu den langen Reihen der leckeren Dixiklos. Ich hatte befürchtet, dass wir ewig anstehen müssten, es ging dann aber doch recht schnell und war auch gar nicht ganz so schrecklich wie befürchtet. Auch später in der Nacht erwies es sich als nicht ganz so stinkend, da kennt man von diversen deutschen Festivals auch Schlimmeres.

Wir beschlossen danach nicht zur Hauptbühne zurückzulaufen, sondern bewegten uns vielleicht 500 m weiter den Strand entlang, dorthin wo es nicht mehr so laut und nicht mehr ganz so voll war. Naja, voll ist relativ. Nicht voll auch. Wir versorgten uns mit zwei weiteren Caipirinhas, die gibt’s hier gleich in halben Liter Bechern. Und übrigens kann man selbst beim kleinsten Verkäufer mit Karte zahlen.

Dann schoben wir uns zwischen Zelten, schlafenden Kindern, Stuhlkreisen, Verkaufsständen und so weiter bis in Richtung Meer vor.

Die Wellen waren extrem hoch, es gab heute auch schon einige Warnungen, dass man nicht schwimmen gehen sollte. Und die waren durchaus berechtigt, da kamen einige Brecher rein, die in den ersten Reihen wurden immer mal wieder nass überrascht. Wir suchten uns ein sicheres Plätzchen, weit vorne, aber noch im Trockenen, wo wir uns niederließen für die nächsten Stunden. 

Tatsächlich unterhielten wir uns einfach gut übers Reisen und einige weitere Dinge und die Zeit vergingen wie im Fluge. Schließlich ging es auf Mitternacht zu. Was hier allerdings komplett fehlte, waren irgendwelche großen Uhren oder gar einen Countdown. Dass ist 12 Uhr ist, merkte man eigentlich nur daran, dass plötzlich die Raketen auf den Booten starteten und alle das Schreien begannen.

Das Feuerwerk war wirklich gigantisch, ich kam aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Man sollte allerdings durchaus sein Handy ordentlich festhalten und nicht leichtsinnig einhändige Selfies machen. Ich habe es selbst nicht mitbekommen, aber anscheinend wurde gleich ein paar Meter weiter einem Mädel beim Selfie machen das Handy aus der Hand gerissen, die Diebe sind hier nicht einzuholen und tauchen im Gedränge unter.


Das Feuerwerk war wirklich überragend und ging bestimmt eine Viertelstunde lang. Über die sieben Wellen, über die man springen soll, sind wir zwar nicht gesprungen, aber die eine oder andere hat uns durchaus an den Füßen erwischt. Das zählt bestimmt auch. 

Nachdem das Feuerwerk zu Ende war, liefen wir wieder Richtung Straße zurück. Wir überlegten kurz hin und her, ob wir die anderen wieder suchen sollten, denn manche wollten noch zu einem Bloco weiterziehen. Anscheinend startet kurz nach Mitternacht die erste Samba- und Karnevalsveranstaltung der Saison. Irgendwie hatten wir dann aber das Gefühl, dass wir sie eh nicht finden würden und da wir auch nicht wussten, wo die Veranstaltung ist und uns der Trubel doch zu viel war, beschlossen wir, dass es eigentlich reicht.

So trennten sich unsere Wege, Steffi hat eine Unterkunft direkt an der Copacabana, ich lief zum Metro zurück. Und auch jetzt musste ich dort nicht lange warten, die Schranken waren geöffnet man musste nur sein gelbes Armbändchen, das man auf der Herfahrt bekommen hatte in die Luft recken und konnte einfach passieren. Die Massen schoben mich zur U-Bahn und direkt in die erste U-Bahn rein, ohne dass das Gedränge riesig war. Die fahren einfach echt in zwei Minuten Takt und bringen so wirklich tausende Leute in kürzester Zeit weg. So war ich kurze Zeit später wieder im Zentrum angelangt, wo ich mit einem Uber zurück zum Hostel fahren wollte. Das ging dann auch schneller als befürchtet und schon nach wenigen Minuten Wartezeit kam mein Fahrer. Im Hostel war ich dann wie erwartet die erste im Dorm. Kurz nach mir kam aber auch schon eine andere. Manche Betten blieben aber die ganze Nacht leer die hätte man durchaus doppelt vermieten können. Ich war auf jeden Fall froh über meinem Bett, denn inzwischen war ich wirklich erledigt.

Silvester an der Copacabana, ich wollte es immer einmal gemacht haben. Nun kann ich hier mein Häkchen setzen, es war eine echt tolle Erfahrung und auch schön, aber gechilltere Veranstaltungen sind doch einfach mehr mein Ding.

So, soviel zur Nacht, den heutigen Blog werde ich jetzt mal anfangen, aber es ist schon halb 10 und ich bin ganz schön müde. Gibt’s vermutlich dann erst morgen…


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