17.02.26 - Sentiero degli dei - ein wahrhaft göttlicher Wanderweg

Heute Nacht habe ich eigentlich ziemlich gut geschlafen. Als ich aber gegen halb 7 aufwachte, hörte ich etwas, das ich nicht hören wollte. Draußen stürmte und regnete es noch immer. Die Wolken hingen tief in den Bergen. Toll, der Wetterbericht hatte doch etwas anderes versprochen. Doch innerhalb der nächsten Stunde hörte es auf, der Wind ließ nach und schließlich zeigt es sich blauer Himmel. Gegen 8 krabbelte ich aus dem Bett und begab mich einen Stock tiefer zum Frühstück. Bzw. ich versuchte es. Dort unten war es eisig kalt und da es eh nur abgepackte Sachen zum Frühstück gab, schnappte ich mir ein Croissant und einen Joghurt und ging schnell wieder in mein warmes Zimmer. Kurze Zeit später war ich warm verpackt auf dem Weg. Daunenjacke und Regenjacke übereinander, sicher ist sicher. Zunächst fuhr ich in den Ort und zum Parkplatz für den Wanderweg. Heute sollte es 10 km bergab gehen. 


Der Sentiero degli Dei, also der Pfad der Götter, gilt als einer der schönsten Wanderwege weltweit. Ob das stimmte, wollte ich heute herausfinden. Vom Parkplatz aus ging es ein paar hundert Meter durch den Ort, bevor der eigentliche Wanderweg begann. 


Laut Hinweistafel sind feste Schuhe Pflicht, meiner Meinung nach schafft das ein Brasilianer, aber durchaus auch in Havaianas. 
Auf dem ganzen Weg begegnete mir nicht ein einziger Touri, im Sommer ist das sicher anders und der Weg ist völlig überlaufen. Heute waren außer mir nur ein paar wenige Einheimische unterwegs. Denn tatsächlich wohnen hier wohl einige Menschen in uralten Steinhäusern mit ihren Ziegen und Eseln und ein bisschen Landwirtschaft. Ziemlich krass. 

Schon nach kürzester Zeit war mir zu warm, nacheinander wanderten die beiden Jacken in den Rucksack. In der Sonne war es wirklich warm, manchmal wehte allerdings ein richtig fieser Wind.


Die ersten zwei, drei Kilometer des Weges waren echt magisch. Dass hier Götter ihre Finger im Spiel hatten, kann man wirklich glauben. 


Die Landschaft ist atemberaubend, der Blick eigentlich in jede Richtung grandios. Da musste ich mich schon ordentlich bremsen, um nicht ständig Fotos zu machen.


Unterwegs fanden sich sogar zwei Geocaches.
Nach etwa eineinhalb Stunden war mein Zwischenziel Nocelle in Sicht. Eine halbe Stunde später erreichte ich das süße kleine Örtchen, dass sich an den Berghang schmiegt. 


In meiner Vorstellung lebten hier Menschen und somit musste es zumindest eine kleine Bar mit guten Kaffee geben. Dem war leider nicht so. Außer zwei Touris traf ich hier nur auf Katzen, alle Bars waren wohl auf Touristen ausgelegt und geschlossen. So ein Mist, denn schon zum Frühstück hatte ich heute keinen Kaffee bekommen. Somit konnte ich mich nur an Obst, Brot und Käse aus meinem Rucksack halten.


Also lief ich weiter. Der eigentliche Wanderweg war hier zu Ende und es ging ein Stück die Straße entlang. Wobei auf der quasi kein Verkehr unterwegs ist, sie führt nur bis Nocelle.
Auch das nächste kleine Örtchen, dass ich erreichte, entsprach kaffeetechnisch nicht meinen Vorstellungen, wobei es hier wirklich Einheimische gab. Verkaufen, wollte mir trotzdem niemand etwas. 


Über viele weitere Treppen ging es dann hinunter nach Positano, dieser bei den Reichen und Schönen im Sommer so beliebte Ort. 

Jetzt war er vor allem voll mit asiatischen Touristengruppen, die ja für ihren Unterhaltungswert bekannt sind. 


Ich lief einmal hinunter bis zum Strand, der einfach nur enttäuschend war. Im Moment eine riesige Baustelle und auch ziemlich zugemüllt. Die armen Reichen und Schönen! Was bin ich froh, dass ich hier nicht meinen Sommer zubringen muss!

Nach einer kleinen Runde durch den Ort, der mir nicht so wirklich etwas gab, liefe ich wieder hoch zur Hauptstraße und an die Bushaltestelle. Inzwischen war es auch schon halb 1. Eine halbe Stunde später kam dann auch ein Bus nach Amalfi. Busfahrpläne kann man hier getrost ignorieren, lediglich die Zeiten für den ersten und letzten Bus scheinen in etwa zu stimmen. Ansonsten fahren die Busse, wenn sie eben gerade durch die Straße kommen. Im Sommer muss das wirklich eine Vollkatastrophe sein, da ist vermutlich eine Vespa das einzige wahre Verkehrsmittel. Mit einem Auto steckt man fest, mit dem Fahrrad wird man von einem Auto niedergemäht. Somit war es jetzt wohl noch ganz in Ordnung, aber schon krass, wie die Busse sich hier durch die engen Gässchen schlängeln. Schlängeln. Vor jedem Tunnel wird kräftig gehupt, ebenso vor dem besonders engen Kurven. 
Eine gute halbe Stunde später kam der Bus in Amalfi an.


Optisch gefiel es mir hier deutlich besser. Es sind Positano, es ist ein winziges Örtchen, voller Touristen, aber trotzdem irgendwie ganz schnuckelig. 

Ist man einmal von der Bushaltestelle am Hafen durchs Tor gegangen, steht man auch schon auf dem Hauptplatz vor der riesigen Kirche. 

Die Hauptstraße verläuft quasi im 90° Winkel zur Küste und ist auch nicht übermäßig lang. Sie ist gesäumt von kleinen Restaurants, Shops und zitronigen Eisdielen. 
Die Amalfiküste ist bekannt für ihre Zitronen und für ihr Zitronensorbet. Das wird standesgemäß in einer riesigen Zitrone samt grünem Blatt serviert. Für schlappe 10€ ist man dabei. Zum Glück mag ich kein Zitroneneis!


Nachdem ich einmal die Straße rauf und runter geschlendert war und keine Alternative gefunden hatte, gönnte ich mir direkt am Hauptplatz einen Cappuccino. 6€ kostet das kleine Ding, aber das hatte ich hier auch so erwartet. Das leckere kleine Eis für 4€ war dagegen fast ein Schnäppchen. 
So gestärkt lief ich zurück zur Bushaltestelle, wo es einen echten Menschen als Verkäufer für die Bustickets gab. Der verriet mir, dass der nächste Bus nach Agerola um 4 fahren würde. Bis dahin blieben mir noch fast eineinhalb Stunden Zeit. 
Da die dunkle Wolkenwand sich noch nicht vor die Sonne geschoben hatte, lief ich ein paar Meter zum klitzekleinen Strand. Dort steckte, ich todesmutig die Füße ins eisige Wasser, danach setzte ich mich in den Sand. 


Allerdings rückte die Wolkenwand näher und es begann zu donnern. Musste ich doch in ein regengeschütztes Plätzchen flüchten. Der Bus fuhrt dann pünktlich los und schlängelte sich die Passstraße hinauf zu meinem kleinen Dorf. Im Gegensatz zu gestern konnte man heute recht viel sehen, der Regen war hier schon durchgezogen und die Sicht wirklich gut. Um dreiviertel fünf war ich zurück am Ausgangspunkt, wo ich direkt in ein Café lief, um mir noch einen Cappuccino zu genehmigen.


Mindestens doppelt so groß, dafür zum halben Preis. Gut, die Aussicht war nicht ganz so schön. Danach holte ich mein Auto vom Parkplatz und fuhr auf direktem Wege zu meiner Lieblingspizzeria. Immerhin hat die zuverlässig geöffnet und die Pizza schmeckt lecker. Heute gönnte ich mir eine Margarita und zur Feier des Tages dazu einen Sprizz. Verdient hatte ich mir das. Beides zusammen kostete gerade mal 12€, keine halbe Stunde von der unfassbar teuren und überlaufenen Amalfiküste entfernt. 


Gegen halb 7 war ich dann auf dem Rückweg zu meiner Unterkunft, wo ich von meinem freundlichen und hilfsbereiten Gastgeber begrüßt wurde. Der ist wirklich immer außerordentlich um mein Wohlergehen besorgt und fragt ständig nach, ob auch alles okay ist. Das war es, das einzige was mir jetzt noch fehlte war eine Dusche und danach ging es ins Bett. Hier wird jetzt auch gerade der Blog eingesprochen, ich hoffe halbwegs fehlerfrei. Mal sehen, ob ich morgen irgendwann unterwegs WiFi finde, dann kann ich ihn sogar hochladen.


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