18.02.26 - Über Ravello zum Vesuv

Auch heute Nacht habe ich gut geschlafen und früh wachte ich bei blauem Himmel ohne ein Wölkchen auf. Kurz vor acht stand ich auf, packte und war kurze Zeit später unterwegs. Im Ort stoppte ich auf einen schnellen und sehr guten Espresso, dann ging es die unzähligen Serpentinen hinunter, heute mit perfekter Sicht.

Ich hätte wieder alle zwei Kurven für ein Foto stehenbleiben können. Unten ging es die Küste ein kurzes Stück entlang und nochmal durch Amalfi, danach ging es genauso steil wieder bergauf.

Mein Ziel war das wunderschöne Städtchen Ravello. Durchaus touristisch, aber früh um neun noch komplett leer. 


Ich fand einen kostenlosen Parkplatz an der Straße ein kleines bisschen vor der Innenstadt, von da lief ich 20 Minuten bis zum zentralen Platz.

Zunächst einmal ging es in die Villa Rufino, eine wunderschöne alte Villa, die im 19. Jahrhundert ein Engländer aus einem alten arabischen Palast gebaut hatte. Auch hier war ich komplett allein, nur ein paar süße Katzen waren schon unterwegs. 


Das Highlight war der Turm, aber auch der Garten ist wunderschön. Im Frühling oder Sommer sicher noch schöner, im Moment wächst noch nicht allzu viel.




Danach lief ich noch eine Runde durch den Ort und endete wieder auf dem Hauptplatz im einzigen geöffneten Café, wo ich den letzten Tisch in der Sonne bekam. 


Meinen Cappu konnte ich dann tatsächlich im T-Shirt genießen, es war endlich mal richtig warm.


Gegen halb 12 war ich wieder auf dem Weg nach unten. Ich fuhr noch ein kleines Stückchen weiter die Küste entlang durch Minori und Maiori, wo ich dann ins Landesinnere abbog. Hier ging es wieder ordentlich steil bergauf bis zum höchsten Punkt, dann öffnete sich der Blick nach Norden und der war einfach nur gigantisch.


Der Vesuv und um ihn herum Neapel und diverse andere Städte, unterscheiden lässt sich das hier nicht voneinander. Wunderschön anzusehen, aber man muss echt hoffen, dass der nicht irgendwann mal wieder losspuckt, dann können 2 Millionen Menschen kucken, dass sie Land gewinnen, nicht 20000 wie in Pompeji…

Mein letztes Ziel mit Auto war dann auch genau dieser nicht-spuckende Berg. Zunächst ging es über die Autobahn und dann mal wieder steil bergauf bis zum PKW-Parkplatz. Von dort fährt für 3€ ein Shuttle weiter nach oben, wo sonst nur Tourbusse und der Stadtbus hinfahren dürfen. Wie befürchtet kamen die Wolken noch ein bisschen schneller als ich. Am Eingang war es nicht so einfach, ein Ticket zu bekommen, das geht nämlich nur online. Also rein ins freie Wlan, Empfang hat man hier nicht viel, dann die Ticketseite öffnen, natürlich erst registrieren und und und… Schließlich war es da und ich konnte rein. Wäre auch zu einfach, wenn der erste von zwei Typen, der die Tickets checkt, sie einfach verkaufen würde statt draufzukucken… Jetzt ging es nochmal vielleicht eine Viertelstunde steil bergauf. Es war ein bisschen was los, aber jetzt auch nicht allzu viel. Oben angekommen, war der Blick nach außen eher beschränkt, immer mal riss die Wolkendecke auf und man sah ein bisschen.

In den Vulkan selbst konnte man gut kucken, aber wirklich spektakulär war es dann auch nicht. Und europäisch gut abgesperrt, so dass man auch nicht wirklich gut reinschauen konnte.

Nach einmal hin und her – rumlaufen geht nicht – ging es wieder steil bergab. Mein Timing war trotz allem nicht so schlecht, jetzt kamen ganze Busladungen mit älteren Schülern hoch. Gegen halb 4 war ich wieder am Parkplatz. Nun ging es Richtung Neapel, eine halbe Stunde später war ich am Flughafen und konnte mein Autochen wieder zurückgeben. Nach etwas Warten kam in der Nähe ein Bus, der mich quasi bis vor die Hosteltür brachte. Das liegt schön zentral in einem alten abgefuckten Haus. Es heißt Six Small Rooms, die verteilen sich aber über drei Stockwerke. Ich habe einen 4er-Mädelsdorm. Inzwischen war es kurz nach 5 und mein Magen verlangte nach der nächsten Pizza. Ich hatte einen heißen Tipp bekommen, L’Antica Pizzeria de Michele, die machen seit über 150 Jahren nichts anderes.

Vom Hostel waren es 20 Minuten zu laufen, die führten mich aber durch eine wunderschön versiffte und doch stylische Straße, wo das Leben stattfindet. Irgendwie war ich recht schnell verliebt in diese Stadt! Hektisch, chaotisch und mit ganz viel Charme, der mir gefällt. Ein bisschen Marseille, ein bisschen Havanna, vielleicht auch ein bisschen Barcelona abseits der Touripfade. Echtes Leben, touristisch, aber nicht irgendwie versnobt oder so.

Vor der Pizzeria gab es zwar eine lange Schlange, die war aber nur für Take-Away. Innen gab es aber noch einen Tisch für mich. Das Menü ist überschaubar, kein Schnickschnack: Margherita, Marinara, Marita (Mischung aus beiden) und Cosacca (jetzt gelernt: Vorform von Margherita mit geriebenem Pecorino statt Mozza. Alle zum gleichen Preis. Dazu ähnlich wenige Getränke und fertig. Ich bestellte und wenige Minuten später stand die Pizza vor mir. Marita, das hätte ich erfinden können! Meine beiden Lieblingspizzas in einer! Weniger ist einfach mehr, manchmal zumindest.

Superlecker und riesig, hier muss ich nochmal her (für die Cosacca alleine schon). Auf dem Rückweg nahm ich mir noch mehr Zeit alles anzukucken. An jeder Ecke gibt’s Sprizz, ich blieb an einer hängen und bestellte mir einen hier typischen mit Limoncello.

Danach lief ich Zickzack zurück zum Hostel. Dort sitze ich jetzt um halb 9 in einer der zwei Küchen, um mich rum das typische Hostelleben, das konzentriertes Schreiben eher erschwert (sorry, Multitasking…) Jetzt noch die Fotos einsortieren, dann geht’s in die Dusche und ins Bett. Gute Nacht!


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