19.02.26 - eine supertolle Stadt - von oben - mittendrin - von unten
Gestern hab ich noch etwas
gelesen, die Mädels in meinem Dorm haben aber beide sehr früh geschlafen,
sodass auch ich vor 10 den Kindle ausgemacht habe. Auch wenn es außen ganz
schön frisch war – auch im Aufenthaltsraum in meinem Stockwerk (deshalb sitze
ich auch schon wieder eines höher) – war es im Zimmer schön war und es gab
kuschelige Daunendecken statt dieser Bettlaken mit diversen Decken on Top. Und
dementsprechend hab ich richtig gut geschlafen und das fast bis 7.
Bis acht blieb ich liegen, dann
ging ich zum Frühstück. Süße Teilchen und Obst, echt italienisch. Zum
Mokka-Machen war ich zu faul, ich setzte auf einen Kaffee unterwegs. Kurz vor
halb 9 war ich unterwegs. Ab drei meldete die Wetterapp mehr und mehr Regen, deshalb
ließ ich den frühen Vogel mal so richtig raus.
Mit Hilfe einiger Highlights, die
ich besuchen wollte, und einiger Caches ging es durch einige Ecken von Neapel.
Zunächst wollte ich hoch zum Castel Sant’Elmo, um die Aussicht zu genießen, bevor
vielleicht dicke Wolken kamen. Ich verzichtete auf die Standseilbahn und lief
eine ganze Reihe an Treppen bergauf. Der Ausblick belohnte mich für die Strapazen.
Dann ging es einmal um die Burg außenrum und hinten über ähnlich viele Treppen wieder runter. Aber hier langlaufen macht echt Spaß, ständig gibt es was zu sehen.
Die Häuser stehen so
eng, die Türen und Fenster stehen oft offen und man kann direkt in Küche oder
Wohnzimmer kucken.
Schließlich fand ich auch mein
Café, in dem ich zwischen verschiedenen Kaffeesorten wählen musste, einfach
Cappu war da nicht! Dazu gab es eine ausführliche Beratung. Das Ergebnis war
definitiv sehr gut!
Einen kurzen Windstopp gab es zumindest in der Galeria Umberto, der vielleicht schönsten Einkaufspassage, die ich je gesehen habe. Dort nebenan liegt auch der Palazzo Reale an der riesigen Piazza del Plebiscito. Jetzt ein toller Platz war sie bis in die 90er einfach ein Parkplatz. Hier ist in den letzten Jahrzehnten schon ordentlich was vorwärts gegangen, auch was die Sicherheit angeht.
Einen, der der Stadt hier wirklich
Hoffnung gegeben hat, wollte ich als nächstes besuchen. Durchs spanische
Viertel mit seinen engen, halb touristischen, halb versifften Gassen lief ich
wieder bergauf.
Und schon bevor ich dort ankam,
spürte ich irgendwie, dass sich die Stimmung änderte. Irgendwie war es
plötzlich nicht mehr laut und hektisch, sondern andächtig ruhig. Inmitten
zwischen abgefuckten Hochhäusern auf einem klitzekleinen Platz findet sich wohl
die heiligste Stätte ganz Neapels. Vergesst den Papst, vergesst die römischen
Götter, der einzige Heilige hier heißt Diego Maradona! Oder D10S…
Man sieht ja in der ganzen Stadt sein Bild, überall finden sich Souvenirs von Socken bis zum Energy Drink und auch Maradona-Sprizz kann man trinken! Aber dieser Platz ist wirklich ein Ort der Heldenverehrung! In Buenos Aires ist er ja auch heilig, aber das hier ist schon nochmal eine ganz andere Nummer.
V.a. ist es 40 Jahre her, dass er hier spielte und die napolitanische Mannschaft nach vorn brachte, heißt, daran kann sich ja die Hälfte der Menschen überhaupt nicht mehr erinnern und trotzdem wird er von allen verehrt.
Nachdem ich also auch ehrfürchtig
gestaunt hatte, ging es wieder in Richtung Centro Historico. Da war ich gestern
ja schon mal kurz unterwegs. Ich kaufte mir einen „kleinen Mittagssnack“, eine
Pizza Fritta. Next Level, ich dachte sie wäre kleiner…
Dann ging es weiter kreuz und quer durchs Zentrum bis ich gefühlt alles gesehen hatte. Jetzt war es wirklich Zeit für einen Cappuccino, inzwischen war es mir doch auch etwas kalt. Ich hatte zwar die Regenjacke als Windbreaker an, aber warm ist anders.
Nach dem
Kaffee lief ich dann auch zum Hostel, um mich erstmal aufzuwärmen. Inzwischen
war es auch schon halb 3 durch. Ich recherchierte etwas nach dem unterirdischen
Bereich Neapels und stellte fest: Der Eingang ist keine 20 Minuten entfernt und
Tickets für den späten Nachmittag sind noch erhältlich. Also gebucht und so
ging es um vier wieder los. Es hatte wohl tatsächlich mal geregnet, war aber
wieder trocken. Ich hatte eine Schicht mehr an und jetzt war es angenehm. In
der Nähe des Eingangs gab es noch einen Sprizz zur Stärkung, dazu auch noch
einen Teller mit Snacks und das alles für 5€.
Kurz vor fünf stand ich dann am
Eingang zu Napoli Sotterranea. Jetzt regnete es, aber Dank der vorgebuchten
Tickets musste ich mich ja nicht in die Schlange stellen, sondern kam direkt
rein und es ging nach unten.
Entstanden ist dieses unterirdische Labyrinth vor über 2000 Jahren, als man hier Tuffgestein in Quadern herausschnitt und zum Bau verwendete. Der frei gewordene Raum wurde dann bis Ende des 19. Jahrhunderts als Zisterne verwendet, die über 1000 Brunnen in ganz Neapel befüllte. Die wurden von kleinen Männern gereinigt, die von unten damit auch Zugang zu privaten Brunnen reicher Neapolitaner hatten und somit ungestört deren Häuser ausräumen konnten oder auch die Frauen beglücken… Noch heute schiebt man die Schuld auf sie, wenn man zu Hause etwas nicht finden kann.
Dann kam es allerdings zu einem Kolera-Ausbruch und die Zisternen wurden geschlossen. Im 2. Weltkrieg wurden sie dann aber nochmal als Luftschutzbunker genutzt. Es ging durch einige ganz schmale Gänge, die ja auch nur für Wasser und nicht für Menschen gemacht waren. Wirklich beeindruckend wie das vor so langer Zeit alles erschaffen werden konnte!
Im Anschluss ging es zurück auf
die Straße und weiter zum alten Römischen Amphitheater. Oder in die Wohnung
einer alten Omi. In der hatten Archäologen komische Bögen und Säulen entdeckt
und schließlich auch noch unterirdische Katakomben als Weinkeller getarnt.
Dadurch fand man Zugang zu dem alten Theater. Das wurde über die Jahrhunderte erst
für Baumaterial ausgeschlachtet und dann einfach überbaut. Echt witzig, dass es
sich unter dem Bett der Omi wiederfand.
Nach gut einer Stunde waren wir durch. Ich lief in ein weiteres Restaurant, das mir empfohlen wurde. Und wieder wurde innerhalb weniger Minuten geliefert. Marinara und Sprizz, wieder für gerade mal 10€. Unschlagbar gute Pizze für unschlagbar gute Preise hier!
Mein
erster Eindruck hat sich nicht nur deshalb über den Tag bestätigt. Neapel ist eine
Stadt, die mir extrem gut gefällt! Sie kann sich vermutlich direkt hinter Rio
und Barcelona einreihen, was Preis-Leistung angeht sogar deutlich davor! Und
ihre Sprizz-Dichte (und die Auswahl zig verschiedener Typen) ist vermutlich
auch weltweit an der Spitze!
Satt und zufrieden ging es für mich zurück zum Hostel. Jetzt allerdings pisste es so richtig. Doch mit Schirm, Regenjacke und Rucksackhülle kam ich halbwegs trocken zum Hostel. Auch wenn ich meine Outdoor-Turnschuhe nicht so recht mag, hier waren sie definitiv die richtige Wahl. Jetzt hängt alles zum Trocknen im Zimmer, das zum Glück ziemlich groß ist. Ich sitze wieder oben in der Küche und tippe. Mal sehen, was ich morgen noch mache, mein Zug fährt erst um 2, aber je nach Wetterapp könnte es wohl auch recht nass werden…





















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