08.04.26 - Land #99: Moldau - Sightseeing in Chișinău

... schrieb sie es und schon stand der Schaffner mit unserer Bettwäsche da! Naja, oder mit vier Stücken Stoff… Einem Kissenbezug, zwei Laken und ein kleines Geschirrtuch, vermutlich als Handtuch gedacht. Ich rollte die Schlafmatte aus und versuchte, das Zeug zu beziehen, die Formate passen nicht unbedingt zueinander.


Danach suchten wir den „Speisewagen“ direkt nebenan auf. Echter Ostblock-Schick mit einer dazu passenden Matroschka hinter der Theke. Die sprach nur russisch und vielleicht noch rumänisch, hatte warmen Wein und kaltes Bier. Ich nahm dann doch das Bier. Da das Ambiente mit den wunderschönen Stehtischen im wackligen Zug dann doch nicht so prickelnd war, zogen wir in unser Abteil um und tranken dort weiter.


Gegen halb 10 machte ich dann Kindle und Licht aus und versuchte zu schlafen. Phasenweise gelang das auch ganz gut. Die Luft im Abteil war aber nicht wirklich gut, die Heizung gab alles und es war echt stickig. Mit offenem Fenster bekam ich dann Eisfüße, im Schnitt passte die Temperatur also genau 😉

Um halb 5 wurden wir aus dem Schlaf gerissen, die Grenze war in Reichweite. „Nochmal pullern, dann ist das Klo 2h zu“ war die Ansage, das Licht wurde eingeschaltet und die Tür geöffnet. Eine halbe Stunde später waren wir bei der Ausreise angekommen, ein schneller Blick und Scan in den Ausweis und die Frage, ob wir was zu verzollen hätten, Drogen, Waffen oder ähnliches, war auch leicht beantwortet. Dann durften wir weiterdösen, während wir über die Grenze rumpelten. Hier wurden die Pässe dann eingesammelt und woanders kontrolliert. In der Zwischenzeit bekam unser Zug ein neues Fahrwerk. Kein Witz, in Moldau gibt es die sowjetische breitere Spurbreite, der Zug wird von einem riesigen Kran angehoben und auf die neuen Räder aufgesetzt. Aus meiner Sicht hat es einfach nur geruckelt, auf diesem Youtube-Video sieht man es aber.


Eine Stunde später kamen die Pässe zurück und die Fahrt ging weiter. Romy hatte das ganze Prozedere verpennt! Die kannste echt im Schlaf mit dem ganzen Zug davontragen! Ich konnte natürlich nicht mehr schlafen, aber immerhin noch etwas dösen.


Der Zug hatte am Ende eine Stunde Verspätung und wir kamen um dreiviertel 10 in Chișinău an. Bisher hab ich es immer falsch ausgesprochen, richtig muss es „Kischinau“ heißen. Und so betrat ich den Boden von meinem 99. Land. Klingt schon ziemlich krass! Für die 100 muss ich mir noch was überlegen…

Ein kurzer Vergleich der Bus- (30ct pro Nase) und Yandex-Preise ergab: Die 4€ ist es uns wert! Zum Glück hatte ich die App ja seit den Stans auf dem Handy, Uber gibt’s hier nicht. Der Verkehr war grandios und so dauerte es einige Zeit, bis wir vor dem Radisson Blue ausgespuckt wurden. Nein, da sind wir nicht, aber das Hostel lag daneben oder so ähnlich. Nach etwas Suchen im eisigen Wind mit leichtem Nieselregen entdeckten wir den Eingang. Es ist wirklich versteckt und liegt im 4. Stock eines großen Gebäudekomplexes. Es ist auch selbst recht groß, bietet aber auch viel Platz in den Zimmer und im Gemeinschaftsbereich. Das Beste war, wir konnten direkt die Betten beziehen! Auch wenn das Mädel an der Rezeption mehrfach betonte, dass wir einen Sechserdorm gebucht hätten und ob wir nicht lieber ein Privatzimmer haben wollten, blieb Romy tapfer und standhaft. Immerhin war der Plan ja auch, meinen Reisestil kennenzulernen und bei dem sind Mietautos genau wie Einzelzimmer eher selten.


Wir machten uns kurz frisch, schafften es, auch das Iphone von der E-Sim zu überzeugen und starteten in ein hübsches kleines Café ums Eck auf einem wunderbaren Cappuccino mit leckerem Croissant.


Nun waren wir bereit fürs Sightseeing. Durch die Verspätung klappte es leider nicht, auch hier eine Free Walking Tour zu machen. Dann eben auf eigene Faust. Zunächst ging es zur eher winzigen Kathedrale in einem kleinen Park. Hier wird vermutlich für das Orthodoxe Ostern am Wochenende ordentlich aufgebaut.


Durch viel Osterdeko hindurch gelangten wir zum ebenfalls putzigen Triumphbogen.


Am Regierungsgebäude vorbei ging es in den Stefan Cel Mare Park nebenan. Damit waren die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der meisten Reiseführer abgedeckt. Und die ersten Caches waren auch gefunden!


Wir liefen ein Stück weiter und gelangten in einen größeren Park mit kleinem See, im Sommer sicher schön, aber heute herrschte Aprilwetter. 



Mal schien die Sonne, dann kam die nächste schwarze Wand und jagte uns aus dem Park die Treppe hoch und ins nächste putzige Café.

Kaffee können sie auf jeden Fall! Als der Regen aufhörte, liefen wir wieder los und wurden nur Minuten später von kleinen Hagelkörnern abgeschossen. Wir stellten uns kurz unter, aber der miese Wind hatte auch seine Vorteile. Schnell war es wieder trocken. Wir gelangten in einen riesigen Friedhof, in dem uns ein Bubi (von 17 Jahren) auf Deutsch anquatschte. Er lebt seit fünf Jahren mit seiner Familie bei Würzburg und ist zu Besuch hier… Er freute sich sichtlich, dass es uns hier gefiel.

Durch den Friedhof ging es zur Ewigen Flamme und dem kommunistisch hässlichen Weltkriegsdenkmal.

Ums Eck fand sich eine Wechselstube mit fairem Kurs, in der wir unsere letzten Lei in andere Lei umtauschten, sowie ein paar Euro noch dazu. Auch hier scheint man weitgehend mit Karte durchzukommen, da lohnt sich nochmal abheben eher nicht. Mitten zwischen neuen Hochhäusern finden sich dann ein paar Reste aus der Vergangenheit.

Nun ging es abschließend noch auf den Zentralen Markt, in dem es wie so oft einfach alles zu kaufen gab. V.a. die Tonnen an Radieschen und anderem Gemüse faszinierten uns, aber auch viele andere Sachen sahen sehr lecker aus. 

Wir kauften uns zwei Placinte, Teigtaschen gefüllt mit Käse bzw. Kartoffel. Sehr lecker und dringend nötig, außer dem Croissant gab es noch nicht viel und es war doch schon drei Uhr oder so…


So schafften wir dann auch noch den Weg zurück in Richtung Hostel und ein paar Blöcke weiter zu einem sehr frühen Abendessen. Das Restaurant war kitschig süß und das Essen sehr lecker. Und es gab doch ein paar fleischfreie traditionelle Gerichte. 

Ich entschied mich für eine Vorspeise mit gegrillten Paprika und als Hauptspeise kleine gefüllte Teigtaschen, ähnlich wie Ravioli, aber mit Schafskäse drin. Dazu gab es ein Glas Hauswein. Sehr lecker und wir bezahlten zu zweit nur gut 25€.

Glücklich und zufrieden schlenderten wir zurück zum Hostel, wo wir um halb 6 etwa aufschlugen. Reichte für heute aber voll und ganz! Nun sitzen wir vor unserem Zimmer an einem Tischchen und schreiben Blog bzw. Whatsapp-Status. Dann wird es wohl recht bald schon ins Bettchen gehen… Morgen machen wir einen Ausflug in ein Land, das es nicht gibt. Es geht nach Transnistrien und in die dortige Hauptstadt Tiraspol…

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