09.04.26 - Ausflug nach Transnistrien - in ein Land, das nicht exisitiert!

Heute Nacht hab ich ziemlich gut geschlafen. Und Romy auch! War mir doch sehr wichtig, schließlich war doch ich es, die sie in Richtung Hosteltür geschubst hatte… Wir haben aber auch nur eine weitere Mitschläferin (sieht auch für heute Nacht so aus), die gefühlt ihr Bett gar nicht verlässt und sich extrem ruhig verhält.

Um 7 war ich wach und kurze Zeit später mit Sudoku vor der Tür. Romy kam dann kurze Zeit später und gegen halb 9 waren wir startklar für den Tag. Zunächst gab es wieder einen guten Cappu in einem süßen Café ums Eck.


Dann liefen wir etwa 10 Minuten zum Busbahnhof. Nach etwas Suchen entdeckten wir den kleinen Bus (Marschrutka) nach Tiraspol. Für etwa 4€ kauften wir unser Ticket und nach etwa 15 Minuten Wartezeit war der Bus Punkt 10 Uhr voll und somit abfahrbereit. Knapp die Hälfte davon waren wohl Touris, wenn auch teils aus osteuropäischen Ländern.

Aus Chisinau raus zog es sich etwas, die Straßen sind hier wirklich voll. Eineinhalb Stunden später waren wir an der Grenze, die es nicht gibt und gingen zu der Passkontrolle, die kein Mensch braucht. Auch nur einfach, denn für die Moldauer reisen wir ja auch gar nicht aus. Es war sehr unkompliziert und schnell, man bekommt einen kleinen Zettel als Einreisedokument. Die einzige Frage ist, ob man am selben Tag ausreist, denn wenn nicht, bräuchte man wohl eine Art Visum.


Punkt 12 spuckte uns der Bus dann am Bahnhof in Tiraspol in Transnistrien (genauer in der Pridnestrowischen Moldauischen Republik) aus. Land #99,1?!? Das einzige, was hier abzufahren scheint, ist der Bus nach Chisinau. Züge waren weit und breit nicht zu sehen.


Wir starteten auf unsere ganz private Walking Tour. Begleitet wurden wir von echtem Aprilwetter, von Sonnenstrahlen bis hin zu Windböen und kleinen Hagelkörnern war alles dabei. Meist so kurz, dass fünf Minuten irgendwo unterstellen reichte, man ohne aber komplett nass gewesen wäre…

Zunächst liefen wir durch ein typisches Wohngebiet mit verlotterten Plattenbauten und dem einen oder anderen Relikt auf vier Rädern.



Dann kamen wir zur Kathedrale, eher ein mickriges Kirchlein. Ganz Transnistrien hat aber auch nur 350000 Einwohner und die Hauptstadt 150000, Zahlen sinkend (halbiert seit „Staatsgründung“ 1989. Anerkannt wird das Land quasi überhaupt nicht, nicht einmal von Russland. Nur von weiteren abtrünnigen Territorien wie Abchasien und Südossetien. 



Von dort liefen wir durch einen Park und landeten im Bilderbuch-Kommunismus. Neben kommunistischen roten Sternen, Panzer und ewiger Flamme steht eine ganze Reihe mir völlig fremder Flaggen (rot-grün-rot ist Transnistrien und Russland kenn ich auch noch).


An der Flamme gedenkt man v.a. den Opfern der Nicht-Unabhängigkeitskämpfe von 90-92. Moldau tendierte schon in den Jahren vorher zu Rumänien, die Sprache ist de facto auch dieselbe, Transnistrien wäre am liebsten Teil der Sowjetunion geblieben.


Man spricht russisch, hat eine eigene Währung (Rubel) und die moldauische Sim-Karte funktioniert auch nicht. Überwacht wird das ganze Szenario von einer überdimensionalen Lenin-Statue.


Von hier aus ging es dann über den riesigen Boulevard einmal quer durchs Stadtzentrum. Hier treffen moderne Coffeeshops und Luxusgeschäfte auf Ostblockcharme. Und wir fanden endlich auch eine Wechselstube, wo wir 20€ in Rubel umtauschten. Denn ausländische Kreditkarten gehen gar nicht. In einer Bäckerei kauften wir uns gefüllte Teigtaschen mit Kohl bzw. Kartoffel für die Heimfahrt (sehr lecker). 


Nun waren wir auch bereit für einen Kaffee und das von mir ergoogelte Café war wieder ein richtig schönes Exemplar. Der Besitzer sprach auch perfekt Englisch, ansonsten ist man mit Russisch hier besser bedient, ist auch alles auf Kyrill geschrieben.


Weiter ging es die Hauptstraße entlang, zwei Highlights erwarteten uns noch am anderen Ende. Eines davon hätte man hier nicht erwartet, ich hatte es auf der Suche nach der Lenin-Statue gefunden:

Harry (russisch Gary) steht vor einer Uni und symbolisiert Wissen und Weisheit… Unser letztes Ziel war ein weiterer Park, der irgendwas zwischen Lost Place und Vergnügungspark ist. Einmal Carosell musste definitiv sein.



Ein bisschen Tschernobyl-Feeling kam dabei auch auf, die Riesenräder sehen sich durchaus ähnlich.

Von hier aus liefen wir zurück zum Bahnhof und stolperten dabei noch über ein regionales Schmankerl:

Kurz nach drei waren wir am Bahnhof, kauften uns Tickets zurück nach Chisinau, halfen einem anderen Reisenden mit ein paar Rubel aus – der arme hatte wohl nicht richtig kalkuliert – und gaben unsere letzten dann für eine Cola aus. Natürlich hatte ich mir vorher meine Scheinchen zur Seite gepackt. Wüsste nicht, wo es sonst einen 25er-Schein gibt.

Unser Bus – jetzt mit fester Fahrzeit – fuhr um 15.25 Uhr ab. Unser Fahrer war ein ganz besonderes Exemplar, wollte von allen (jetzt fast nur Touris) wissen, woher sie kommen und sprach drei Wörter Deutsch. Die Fahrt zurück verlief ganz entspannt. An der Grenze mussten wir dieses Mal gar nicht aussteigen, die Pässe bzw. Ausweise (reicht) wurden eingesammelt und kurz darauf zurückgebracht. Zwei Stunden später waren wir zurück. Definitiv ein unvergesslicher Ausflug in ein Land vor unsrer Zeit!


Wir liefen direkt zu einem sehr großen Restaurant. Auf den ersten Blick wirkte es etwas seltsam, war aber gut mit Einheimischen gefüllt und erwies sich als Volltreffer. Es gab eine große Auswahl (vegetarischer) lokaler Gerichte. Alles war richtig lecker und unglaublich günstig. Inklusive Wein (ca. 1,70€ pro Glas) zahlten wir gerade mal 15€ zu zweit.


Pappsatt ging es zurück zum Hostel. Hier sitzen wir nun, sortieren Fotos, schreiben Blog und Statusmeldungen und trinken dazu eine Dose Wein. Noch nie gesehen, echter moldauischer Wein und wirklich gut. Auch ein hochwertiges Design, das Weinglas ist ein haptischer Aufdruck.

Morgen checken wir hier dann früh aus und holen uns am Flughafen für unsere letzten drei Tage ein Auto. Damit erkunden wir noch etwas die weitere Umgebung und haben uns für die letzten zwei Nächte noch ein fast luxuriöses Hotel in Orhei gegönnt.


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